anna ebert


Ich
oder
Meine Liebe zum geschriebenen Wort


Geboren wurde ich im Juni 1984, mitten im Wald (weil es so idyllisch und fast lyrisch klingt, die Mühle, in der ich das Licht der Welt erblickte gehört, zumindest verwaltungstechnisch, natürlich durchaus zu einem kleinen Dorf). Meine schulische Laufbahn erlebte Höhen und Tiefen, als es ernster wurde blieb es glücklicherweise größtenteils bei den Höhen.

Die Liebe zu perfekt und bis ins kleinste Detail sorgfältig überlegt und ausformulierten Texten entdeckte ich erst spät. Vielleicht erst in der zwölften Klasse, als wir eine politische Rede analysieren mussten. Rückblickend würde ich das als die erste Hausaufgabe bezeichnen, für die ich mich so richtig angestrengt habe. Vier Stunden widmete ich der Textanalyse einer politischen Rede. Noch nie wurde ich "auserwählt" meine Hausaufgabe vorzulesen. Meine Lehrer wussten, dass ich sie immer machte und dass ich sie auch gut machte. An diesem Tag musste ich sie tatsächlich vorlesen. So ruhig hatte ich meine Klasse noch nie erlebt und als ich fertig war, waren plötzlich alle beeindruckt, inklusive meiner Deutschlehrerin. Die Arbeit hatte sich gelohnt, die Analyse war gut, sie war gut ausformuliert, ausnahmslos jedes stilistische Mittel hatte ich erkannt und gedeutet und, obwohl ich aus unerfindlichen Gründen immer noch nicht ganz von meiner Arbeit überzeugt war, hatte ich gelernt, dass es Freude macht, lange und intensiv an einem Text zu arbeiten.

Während meines Publizistik- und Ethnologiestudiums in Berlin waren die Hausarbeiten das Highlight jedes Semesters. Ein Thema, ganz gleich ob selbst gewählt oder auferlegt, voll und ganz zu erfassen, bereitete mir die größte Freude. Die Richtung, in die das Thema führte, ergab sich meist von ganz allein. Einmal eingetaucht, das Wissen angelesen, das Thema verstanden und verinnerlicht, flossen die Worte nur so aus mir heraus. Meine Finger konnten meinen Gedanken kaum folgen. Beim Kontrolllesen merkte ich immer wieder, dass Satzanfänge und deren Enden nicht zusammen passten, da ich in Gedanken schon den nächsten Satz abschloss, während der erste noch nicht zu Ende getippt war.
Das im ersten Semester von mir besuchte Seminar "Schreibblockaden überwinden" war die wohl unnützeste Veranstaltung meiner Unikarriere. Bis heute habe ich keine Schreibblockade erlebt. Mittlerweile können meine Finger meinen Gedanken ganz gut folgen (glücklicherweise weil meine Finger schneller, nicht meine Gedanken langsamer geworden sind). Noch heute liebe und genieße ich es, wie mir Ideen, Formulierungen und manchmal ganze Texte zufliegen. Die intensive thematische Arbeit, die 20-seitigen Hausarbeiten und das Einarbeiten in mir völlig fremde Themengebiete, fehlt mir manchmal, doch auch die Arbeit mit kurzen, prägnant auf den Punkt gebrachten Texten, macht mir viel Spaß!

In Zusammenarbeit mit meinen Kunden lote ich den Spielraum aus, den ich bei den zu erstellenden Texten habe. Gerne reiche ich auch mehrere Textvorschläge ein, wenn ich mir in der genauen Richtung, in die das fertige Produkt gehen soll, nicht ganz sicher bin oder es schlicht mehrere Wege gibt, ans Ziel zu kommen. Der Kontakt zum Kunden ist mir hierbei sehr wichtig. Im persönlichen Gespräch lassen sich Feinheiten erarbeiten, die bei erfolgreicher Textformulierung unbeschreiblich wichtig sind, da sie die Würze des Textes ausmachen. Das Zielpublikum, der Umfang und das Layout des fertigen Textes sind entscheidende Kriterien, die bei genauer Komposition zum Erfolg führen. Diese Komposition, die individuelle Ausprägung der Texte und der Gedankensturm, der in mir los bricht, sobald ich mich mit einem Thema beschäftige, ist es, was mich erfüllt, was mich meinen Beruf lieben lässt.